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Grundlagen und Methoden der städtebaulich-denkmalpflegerischen Ortsanalyse

Ein Überblick am Beispiel von Klein- und Mittelstädten

Thomas Gunzelmann

Donnerstag, 27. Februar 2025

Städtebauliche Denkmalpflege

  • Forschende, beratende, planende, vermittelnde und gutachterliche Tätigkeit

  • In Bezug auf historisch geprägte, objektübergreifende Denkmalkomplexe (Dorf – Stadt – Kulturlandschaft)

  • Nicht nur als Teildisziplin der Denkmalpflege

  • Sondern auch Akteur einer übergeordneten Raumentwicklung, dem die Aufgabe zukommt, raumbezogene Denkmalwerte als positiven und nachhaltigen Bestandteil dort einzubringen

  • Für diesen Zweck hat sich die „städtebaulich-denkmalpflegerischen Ortsanalyse“ als ein geeignetes Instrument erwiesen

Volkmar Eidloth, Gerhard Ongyerth, Heinrich Walgern: Handbuch städtebauliche Denkmalpflege, 2019 (= Berichte zu Forschung und Praxis der Denkmalpflege in Deutschland 17)

Entwicklung der städtebaulich-denkmalpflegerischen Ortsanalyse

Strobel, Richard/Buch, Felicitas: Ortsanalyse. Zur Erfassung und Bewertung historischer Bereiche, Stuttgart 1986 (= Arbeitshefte des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg 1)

Gunzelmann, Thomas/Mosel, Manfred/Ongyerth, Gerhard: Denkmalpflege und Dorferneuerung. Der denkmalpflegerische Erhebungsbogen zur Dorferneuerung, München 1999 (= Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege 93).

Beispiele – Denkmalpflegerischer Erhebungsbogen zur Dorferneuerung (DEB) Bayern

  • Seit 1988: Programm zur standardisierten städtebaulich-denkmalpflegerischen Dorfbestandsaufnahme im Rahmen des bayerischen Dorferneuerungsprogramms

  • Einheitliches Anforderungsprofil

  • Bisher etwa 1100 Ortsanalysen

  • Seit 2014 übernimmt die Ländliche Entwicklung die Finanzierung und Abwicklung, das BLfD die fachliche Beratung und Prüfung

  • Im Regelfall leider nur auf Anforderung einsehbar

Strukturmodell des DEB. Entwurf Th. Gunzelmann, Grafik: Anna Hitthaler

Beispiele – SDU Bayern

Vertiefte städtebaulich-denkmalpflegerische Untersuchung

  • Gerichtet auf Kleinstädte und kleinere Mittelstädte oder deren Quartiere

  • Zusammenarbeit mit Kommune und Städtebauförderung

  • In manchen Fällen auch andere Anlässe, z.B. Wettbewerbe im Ensemble

  • Standardisiertes Anforderungsprofil, in Einzelfällen in Quartieren Erhöhung der Eindringtiefe

SDU Amorbach, Büro transform, 2011

Beispiele – Baden-Württemberg

Denkmalpflegerische Wertepläne für die Gesamtanlagen in Baden-Württemberg ca. 60 erarbeitet

Werteplan Weikersheim (Martin Hahn/Alexandra Baier 2008)

Ortsanalyse. Seit 2007, standardisiert, für ländliche Siedlungen, aufbauend auf dem Modell des bayerischen DEB

Ortsanalyse Dertingen (Markus Numberger 2008)

Beispiele – Hessen u.a.

Städtebaulich-denkmalpflegerische Aufnahmen (SDA)

  • Für Stadt- und Ortskerne

  • Planungs- und Vermittlungsbezogen

SDA Oberkaufungen, Büro akp, 2019

Einzelfälle – Schleswig-Holstein (Glückstadt)



Karte der Festung Glückstadt 1762. Autor/-in unbekannt - Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Germany, Signatur: Kart. X 25144/28. Gemeinfrei

Formen der Ortsanalyse

Im Lauf der Jahre haben sich drei Gruppen von Ortsanalysen herausgebildet:

  • Programmbezogene der Denkmalfachbehörden: standardisiert (auf Basis einer Leistungsbeschreibung/Anforderungsprofils)

  • Anlassbezogene aufgrund von Eingriffen oder Entwicklungsmaßnahmen: flexibel nach Eindringtiefe

  • Denkmalkundliche Projekte, längerfristig angelegt, wenig anlassbezogen

    • Kulmbach (Publ. Gunzelmann, Thomas/Kühn, Angelika/Reichert, Christiane, Kulmbach – das städtebauliche Erbe: Bestandsanalyse zur Erstellung eines städtebaulich-denkmalpflegerischen Leitbilds, München 1999 (= Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege 102))

    • Bamberg (Publ. Gunzelmann, Thomas: Stadtdenkmal und Denkmallandschaft, Bamberg/München/Berlin 2012 (= Die Kunstdenkmäler von Bayern. Stadt Bamberg 1))

    • Ellwangen (Jagst) (Publ. Eidloth, Volkmar/Schneider, Marie: Ellwangen und seine Denkmäler. Geschenk und Verpflichtung. Denkmalpflegerischer Fachplan, hrsg. v. Geschichts- und Altertumsverein Ellwangen e. V/ Stadt Ellwangen (Jagst), Ellwangen (Jagst) 2014.)

Grundlagen und Methoden im Überblick

Strukturgrafik der städtebaulich-denkmalpflegerischen Ortsanalyse (Zum Vergrößern klicken): Grafik: Thomas Gunzelmann

Strukturgrafik der städtebaulich-denkmalpflegerischen Ortsanalyse (Zum Vergrößern klicken): Grafik: Thomas Gunzelmann

Naturvorgaben

  • Topographie: Zusammenwirken von Oberflächenformen und Gewässernetz im engeren Bereich der Siedlung

  • Geologie, Boden, Klima, Vegetation

    • Rahmenbedingungen für die Siedlungsgunst (vor allem ländlicher Raum)
    • Geologie bestimmt großteils historische Baumaterialien

Topographie von Burghausen als wesentliches Merkmal der historischen Stadt. Foto: Thomas Gunzelmann 2022

Archäologische Quellen

  • Funde und Befunde

  • Stadtarchäologische Analysen

    • Archäologischer Stadtkataster
    • Kellerkataster

Textquellen

  • Archivquellen

    • serielle Quellen (Urbare, Steuerbücher, Kataster etc.)
    • Urkunden, Akten
  • Gedruckte Quellen

    • Städtelob
    • Reiseberichte
    • topographische Werke
    • Adressbücher
    • historische Statistik

Bayerisches Grundsteuerkataster als wesentliche serielle Quelle für Ortsanalysen. Beispiel: StABA K 213 Finanzamt Burgwindheim Nr. 69 Grundsteuerkataster Burgebrach, Band 1-5, 1848

Bildquellen

  • Historische Grafik

    • Gemälde
    • Druckgrafik
  • Historische Fotos

  • Historische Luftbilder

    • Schrägaufnahmen
    • Senkrechtaufnahmen (bei georeferenzierten Orthofotos Übergang zu Karten und Plänen)

Stadtansicht Bambergs 1483 Ausschnitt aus dem „Apostelabschied“, bambergisch, 1483: SKB Gal. 46. Repro: Eberhard Lantz © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Karten und Pläne

Aktuelle Karten

  • Kartengrundlagen

  • „Geschichtskarten“

Historische Karten

  • Gedruckte Karten

    • Stadtpläne

    • Katasterkarten

    • Topographische Karten

  • Handgezeichnete Karten

Frühe Karten und Pläne unterscheiden sich zunächst noch wenig von grafischen Ansichten. Plan von Gräfenberg 1639, Staatsarchiv Nürnberg

Kartengrundlagen

  • Als Basis für eigene Kartierungen wird die ALKIS®-Flurkarte (Amtliche Liegenschaftskatasterinformationssystem) verwendet

  • Enthält sämtliche grafischen Informationen zu den Liegenschaften (Flurstücke und Gebäude)

  • Die Verfügbarkeit ist mittlerweile sehr gut. Sie ist nicht nur online, sondern meist auch als WFS, also im weiterverarbeitungsfähigen Vektorformat erhältlich1

  • Deutschlandweite Sammlung der GeoBasisdaten mit aktuellen Links bietet das QGIS-Plugin: GeoBasis_Loader

Frei verfügbar ALKIS-Daten in Hessen, Layer Parzellen und Gebäude. In Zusammenarbeit mit der Kommune sollten auch vollumfängliche ALKIS-Datensätze erhältlich sein.

Katasterkarten („Urkataster“)

  • Wichtigste Quelle für die historische Ortsanalyse
  • Für die meisten Städte der erste vermessungstechnisch genaue Gesamtplan
  • Sie geben meist noch den Zustand vor der industriellen Urbanisierung wieder
  • Entscheidende Schnittstelle für die Rekonstruktionen frühneuzeitlich und oft auch mittelalterlicher Zustände des Stadtgrundrisses
  • Die Verfügbarkeit dieser Grundlage hat sich in den letzten Jahren ganz erheblich verbessert. Fast alle Bundesländer bieten sie auf ihren Geoportalen zum Download an, in manchen Fällen bereits georeferenziert und mit offener Lizenz.
  • Problem: uneinheitliche Verfügbarkeit und Darstellung

Bayerische Uraufnahme (flächendeckend online einsehbar): Seßlach 1851

Beispiel Katasterkarten Hessen

Links: Urkataster Bad Karlshafen 1873. Mitte: Urkataster Bad Orb 1847 Rechts. Urkataster Bad Homburg 1787, dort auch noch 1822/26 und 1872/74 verfügbar: Quelle: Urkatasterkarten Hessischer Städte by Hessisches Institut für Landesgeschichte is marked with CC0 1.0

Modelle

  • Stadtmodelle können analog-plastisch oder zunehmend digital sein

  • Historische Stadtmodelle

    • Stadtmodelle der Vergangenheit als wertvolle Quelle
    • Moderne Stadtmodell als Rekonstruktion historischer Zustände
  • Aktuelle Stadtmodelle mit wissenschaftlichem und geodätischem Anspruch können die Ortsbegehung digital ergänzen (Digitaler Zwilling)

Jakob Sandtner: Stadt Burghausen, 1574

Historische Substanz und Struktur als Quelle und Ziel

Die historische Ortsanalyse arbeitet in hohem Maße mit non-verbalen Quellen. Die zentralen Objekte der Ortsanalyse sind

  • Die historisch gebaute Substanz der Stadt

    • Bauten
    • Stadtboden
    • Grünsubstanz
  • Die historische Stadtstruktur

    • Grundriss
    • Raumsituationen
    • Immaterielle Strukturelemente (z.B. Blickbeziehungen)
  • Beide Bereiche besitzen eine eigene, jeweils zu interpretierende Quellenaussage

  • Zugleich ist die Analyse des Zusammenwirkens von Bauten und Strukturen ein wesentliches Ziel. Diese Zusammenhänge sind es, die das Stadtdenkmal erst zu einem Ganzen machen, das mehr ist, als die Summe seiner Teile

  • Alle anderen verbalen und non-verbalen Quellen werden zur Erläuterung dieser beiden Bereiche herangezogen

Parzellenstruktur – Stadtgrundriss

  • Die eher immaterielle Parzellenstruktur macht die Besitz- und damit auch Machtverhältnisse, Planungskonzepte, Planungsprozesse und deren Brüche im Lauf der Geschichte deutlich.

  • Ihre Persistenz ist hoch

  • Frühere Zustände können rekonstruiert werden

  • In gewissen Umfang lässt sie auch Analogieschlüsse zu, die für gewisse Eigenarten bestimmter Phasen der mitteleuropäischen Stadtentwicklungsgeschichte typisch sind

Digitalisierter Stadtgrundriss Bamberg 1849. Armin Röhrer 2008

Raumstruktur

Räume sind geschichtliche Orte der Gemeinschaft, der Repräsentation und des geistigen und materiellen Austausches:

  • Platzräume von historischer Bedeutung

  • Straßenräume von historischer Bedeutung

  • Grün- und Freiräume von historischer Bedeutung

  • Wasserflächen von historischer Bedeutung

Stadtplatz Tittmoning. Foto: Thomas Gunzelmann 2022

Stadtgraben Weißenburg i. Bay. Foto: Thomas Gunzelmann 2024

Immaterielle Strukturen

  • Nicht-substanzhafte Eigenschaften von Objekte/Objektzusammenhängen und deren meist ebenso wenig materiell ausgeprägten Bezüge untereinander

  • Verletzbar, verminderbar, damit auch konservierbar und bewahrenden und pflegenden Bemühungen zugänglich

  • Bezüge des Denkmals zum Raum

    • visuell
    • strukturell/funktional
    • symbolisch/assoziativ

Blickbeziehungen nach geometrisch-formalen Kriterien. Entwurf und Grafik: Thomas Gunzelmann; Zeichnungen: Anja Wiegel

Methoden

  • Die Methoden der Ortsanalyse sind wissenschaftlich und (zumeist) systematisch strukturiert. Sie bestehen aus:

    • kritischer Analyse der materiellen, textlichen und bildlichen Grundlagen
    • interpretierende Beobachtung am Objekt „Stadt“
    • dokumentierende Bestandsaufnahme, die nachvollziehbar sein sollte
  • Sie bedient sich der Ansätze unterschiedlicher Disziplinen (Bau- und Kunstgeschichte, Stadtgeschichte, Stadtbaugeschichte, Historische Geographie, Stadtarchäologie etc.), ist also multidisziplinär

  • Sie wird begrenzt durch ihren Charakter als Planungs- und Vermittlungsinstrument und durch die zur Verfügung stehenden zeitlichen und finanziellen Ressourcen

  • Methodisch geht es also nicht um die Verschiebung bestehender wissenschaftlicher Grenzen, sondern um eine Darstellung des Bekannten in vergleichbarer Form mit dem Schwerpunkt auf der Bewertung der baulichen Substanz und räumlichen Strukturen einer Stadt und deren Zusammenwirken

Merksatz

Städtebaulich-denkmalpflegerische Ortsanalyse bedeutet in methodischer Hinsicht, die bauliche Substanz und städtebauliche Struktur und deren Zusammenwirken als materielle Geschichtsquelle zu sehen und diese mit anderen Quellen, wie Archivalien und Literatur, Bildern und Karten in eine raum-zeitliche Beziehung zu setzen, zu dokumentieren und zu bewerten und damit den historischen Ort lesbar zu machen.

Kartenanalyse

  • Analyse historischer Karten und der Abgleich mit aktuellen ermöglichen oft neue Zugänge zur historischen Stadtentwicklung und Stadtstruktur

  • wichtig ist die Kombination historischer mit möglichst zeitgleichen schriftlichen Quellen

  • unter Einbeziehung serieller Quellen lassen sich quantitativ untermauerte Aussagen treffen

Beispiele für Analysekarten (zu bestimmten Zeitschnitten)

  • Überlagerungskarten

  • Sozialtopographische Karten

  • Karten der Bauten mit besonderen Funktionen

  • Stadtfunktionskarten

Sozialtopographie der Stadt Bamberg 1849 (Zum Vergrößern klicken). Digitale Umzeichnung des Liquidationsplans der Stadt Bamberg 1849, 4 Blätter, Vermessungsamt Bamberg. Inhalt: SAB K 210, Nr. 6/1 – 6/41, Grundsteuerkataster der Stadt Bamberg, 1849. GIS-Bearbeitung: Armin Röhrer © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Sozialtopographie der Stadt Bamberg 1849 (Zum Vergrößern klicken). Digitale Umzeichnung des Liquidationsplans der Stadt Bamberg 1849, 4 Blätter, Vermessungsamt Bamberg. Inhalt: SAB K 210, Nr. 6/1 – 6/41, Grundsteuerkataster der Stadt Bamberg, 1849. GIS-Bearbeitung: Armin Röhrer © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Bestandsaufnahme vor Ort

  • Methode: Ortsbegehung mit Kartierung und Fotodokumentation

  • Kann analog, z.T. bei guter Vorbereitung auch digital erfolgen

  • Unterstützung durch lokale Experten (Synergie: Wissenszuwachs/Transport der Ziele der Ortsanalyse in die Bürgerschaft)

Modul 1, KDK Waldthurn, Begehung und Beratung mit lokalen Experten, 2015

Erfassung und Bewertung der Bausubstanz

  • Einstufung der Bauten
    • Denkmal (vorgegeben durch Fachbehörde/DSchG)
    • Denkmalvorschlag
    • erhaltenswerte Bausubstanz
    • strukturprägende Bausubstanz
    • ohne Bedeutung

Es ist der historische Wert des Gebäudes (Eigenwert) wie auch der Wert des Gebäudes für seine Umgebung und den städtebaulichen Zusammenhang (struktureller Wert) zu beurteilen.

Kriterien zur Bewertung der Bausubstanz


Erhaltenswerte Bausubstanz

  • Die Kubatur sollte grundsätzlich weitgehend unverändert erhalten sein wie auch – wenigstens in Teilen – die bauliche Detailausstattung

  • Muss zur historischen Ortsgestalt beitragen und kann – muss aber nicht – ein wichtiges Element der Ortsstruktur sein

  • Wie beim Denkmal gibt es keine absolute Zeitgrenze für ihre Einstufung

  • Regionaltypische Bauweise und regionaltypische Baumaterialien sprechen für eine Einstufung als erhaltenswerten, ortsbildprägenden Bau

  • Bauten aus den nicht-landschaftsgebundenen Zeitschichten des 19. und 20. Jahrhunderts sind zu berücksichtigen, wenn sie einen entsprechenden historischen Aussagewert besitzen


Strukturprägende Bausubstanz

Der strukturelle Wert hängt vom übergeordneten Wert des Quartiers oder Straßenraums ab. Weisen diese keinen historisch-stadtstrukturellen Wert auf, so kann auch der Einzelbau keinen besitzen.

  • Einfügung in die spezifische Parzellenstruktur des Quartiers

  • Einfügung in die spezifische Kubatur des Quartiers

  • Vergleichbare Trauf- und Firsthöhe

  • Vergleichbare Fassadengestaltung

Erfassung und Bewertung der städtebaulich-denkmalpflegerischen wertvollen Raumsituationen

  • Erfassung durch Begehung, Karten- und Luftbildauswertung

  • Fotografische, kartografische und textliche Dokumentation

  • Bewertung: Raumsituation muss eine Rolle in der Stadtgeschichte spielen

  • Grad der historischen Überlieferung wird bestimmt durch den Bearbeiter: Grobe Faustregel: Stimmen die Raumkanten mit zu definierendem historischen Zeitschnitt überein und wurden mehr als 50% der Raumwände als Denkmal/erhaltenswert kartiert, ist von einer historischen bedeutsamen Raumsituation auszugehen

  • Bei Grün- und Freiflächen wie Wasserflächen ist ebenfalls der Abgleich mit einen zu definierendem historischen Zeitschnitt herzustellen. Neben Substanz spielt aber auch die funktionale Persistenz eine wesentliche Rolle

  • Städtebauliche Brüche (Brand, Kriegszerstörung, großflächige Anwendung neuer städtebaulicher Leitbilder) sind zu berücksichtigen und können eigene Wertigkeit entfalten

Erfassung und Bewertung der immateriellen Werte

Visuelle, strukturell-funktionale und symbolisch-assoziative Relationen von Denkmalen zum Raum können:

  • erfasst
  • kartiert
  • bewertet

werden. Über die Erfassung und Bewertung von Blickbeziehungen hinaus gibt es noch wenige Beispiele einer konsequenten Integration in Ortsanalysen.

Langenburg, kartografische Darstellung der funktionalen/strukturellen Raumwirkung, Lucas Bilitsch 2020

Kloster Banz, kombinierte visuelle und strukturell-funktionale Raumwirkung (Zum Vergrößern klicken), Thomas Gunzelmann, 2022{.lightbox}

Ergebniskarte (Karte der denkmalpflegerischen Interessen)

  • Karte der denkmalpflegerischen Interessen ist das für die Stadtplanung wichtigste und zusammenfassende Ergebnis der städtebaulich-denkmalpflegerischen Untersuchung.

  • Nur die „Karte vermag eine geschlossene Summe von Beobachtungen und Erkenntnissen raumanschaulich und übersichtlich darzustellen“ (HASSINGER 1916, S. 1)

  • Es sollen alle Elemente des Objektkatalogs mit ihrer Bewertung auf der Karte zu finden sein

  • Sie zeigt den heutigen Zustand der alten Stadt als komplexes, raum-zeitliches System, das Stadtdenkmal als Netzwerk von Denkmalbezügen auf

Karte der denkmalpflegerischen Interessen für die Stadt Prichsenstadt (Lkr. Kitzingen) (Zum Vergrößern klicken). Zeichnung: Christiane Reichert/Ralf Jost, 2011

Karte der denkmalpflegerischen Interessen für die Stadt Prichsenstadt (Lkr. Kitzingen) (Zum Vergrößern klicken). Zeichnung: Christiane Reichert/Ralf Jost, 2011

Dokumentation

Grün- und Freiraum, SDU Prichsenstadt, Ortsrand Nordwesten (Zum Vergrößern klicken), Ch. Reichert/R. Jost 2011

Grün- und Freiraum, SDU Prichsenstadt, Ortsrand Nordwesten (Zum Vergrößern klicken), Ch. Reichert/R. Jost 2011

Straßenraum, SDU Prichsenstadt, Mühlgasse (Zum Vergrößern klicken), Ch. Reichert/R. Jost 2011

Straßenraum, SDU Prichsenstadt, Mühlgasse (Zum Vergrößern klicken), Ch. Reichert/R. Jost 2011

Denkmal, SDU Prichsenstadt, Westtor (Zum Vergrößern klicken), Ch. Reichert/R. Jost

Denkmal, SDU Prichsenstadt, Westtor (Zum Vergrößern klicken), Ch. Reichert/R. Jost

Erhaltenswerter Bau, SDU Prichsenstadt, Ehemalige Schule (Zum Vergrößern klicken), Ch. Reichert/R. Jost 2011

Erhaltenswerter Bau, SDU Prichsenstadt, Ehemalige Schule (Zum Vergrößern klicken), Ch. Reichert/R. Jost 2011

GIS als Methode und Unterstützung bei städtebaulich-denkmalpflegerischen Ortsanalysen

Tutorial: Städtebaulich-denkmalpflegerische Analysen mit GIS. Handreichung für die Praxis. Online verfügbar

Offene Fragen zum Schluss

  • Wie verhält sich die Ortsanalyse zum etablierten Instrument der Denkmaltopographie?

  • Wie ist eine schlüssige und weitgehende Digitalisierung erreichbar?

  • Braucht es einen stärkeren Austausch oder Vereinheitlichung zwischen den Denkmalfachbehörden/Bundesländern?

  • Gibt es Überlegungen, eine einfache Fortschreibung zu ermöglichen?



Literatur

Richard Strobel / Felicitas Buch: Ortsanalyse. Zur Erfassung und Bewertung historischer Bereiche (Arbeitshefte des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg 1). Stuttgart 1986.

Thomas Gunzelmann / Manfred Mosel / Gerhard Ongyerth: Denkmalpflege und Dorferneuerung. Der denkmalpflegerische Erhebungsbogen zur Dorferneuerung (Arbeitshefte des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege 93). München 1999.

Volkmar Eidloth: Stadthistorische Bestandsanalyse. Geschichte – Theorie – Praxis. In: Die Alte Stadt (2007), 34, S. 131–145.

Martin Hahn (Hrsg.): Erfassen – Erkennen – Erhalten. (Arbeitshefte des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg 26). Stuttgart 2012.

Martin Hahn: stadt_denkmal_substanz – Wertepläne für die Gesamtanlagen in Baden-Württemberg, in: Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein (Hrsg.): Denkmalpflege braucht Substanz. Jahrestagung der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland und 83. Tag für Denkmalpflege 7.–10. Juni 2015 in Flensburg, Kiel 2017 (Beiträge zur Denkmalpflege in Schleswig-Holstein), S. 154–160.

Volkmar Eidloth / Gerhard Ongyerth / Heinrich Walgern: Handbuch städtebauliche Denkmalpflege. 2. Aufl. (Berichte zu Forschung und Praxis der Denkmalpflege in Deutschland 19). Petersberg 2019.

Tobias Michael Wolf: Die städtebaulich-denkmalpflegerische Aufnahme. Instrument für die integrierte Stadtentwicklung. In: Denkmal Hessen (2022),1, S. 52–55.